Bernd Engler + Doreen Engler

Der Mensch als kinetisches Kunstwerk - Am Beispiel des Tango Argentino

Gern wollen wir unser Konzept 2021 erweitert durchführen. Angepasst auf die 1-3 Klassen. Bei unserem WS hat sich gezeigt, dass neben dem großen Interesse bei den Teilnehmern und den mit einbezogenen Lehrern auch Schüler der 1-3 Klassen mitmachen wollten. Weil gerade auch die Jüngsten sehr offen gegenüber Kunst und Kreativität und Sozialität sind und das als äußerst förderungswürdig erscheint, lohnt es sich hier besonders ein im Sinne der Nachhaltigkeit entsprechendes Angebot zu machen.

Konzept:

Der Mensch als Kinetisches Kunstwerk! Weltkulturerbe- Tango Argentino (Social dance against violence)

Das Projekt soll nach Absprache mit der Schule als Pilotprojekt teilweise während der Unterrichtszeit über einen Längeren Zeitraum durchgeführt werden.
Tanz/ Erlernen von Elementen des Tango Argentino und das Entwickeln gemeinsamen tänzerischen Potentials in Zeit (Takt, Melodie) und Raum( Richtung, Energie) Alles was passiert ist 100% Gegenwart- also max. Aufmerksamkeit und Verbindung von Körper und Wissen in Balance als gelebtes Ideal. Wechselnde Partner lernen sich gegenseitig abwechselnd in komplexen Schritten und Drehungen zu führen, bzw. zu folgen und damit eine Symbiose zu bilden, in der gemeinsamen Bewegung zu verschmelzen. Eine ganze Klasse lernt, wie man auf engem Raum gemeinsam Bewegungsfluss und Rücksicht hinbekommt, dabei aber gleichzeitig seine Individualität entdeckt. Heiterkeit garantiert.
An Hand verschiedener anderer Medien sollen experimentell durch von mir bereits in meiner künstlerischen Arbeit entwickelten Konzepte Variationen mit den Schülern erarbeitet werden: Bildende Kunst/ konzeptuelle Zeichnungen, (sog. Dreiminutenblätter ) nach ausgewählten Musikstücken. Lyrik/ Songtextleerstellen, konzeptuelle Möglichkeiten der Verdichtung von Sprache, Fundstücke begleiten das Gehen und werden Gesammelt, in Sprache transformiert, durch konzeptionelle Ordnungssysteme und wiederum Emotionaler Intervention (versives und subversives Verhalten) entstehen Brüche und Neue Sinnzusammenhänge- so entstandener Sprachrhythmus und Sprachmelodie können Inhalte neu erscheinen lassen. Kinetische Fotografie/ Spurendokumentation von Bewegung, Experimente mit Bildwerdung von “Raumzeit” im Medium Fotografie. Schnittstellen und Annäherungen an o.g. Thema sollen bewusst, fühlbar, sichtbar und vor allem als machbar erlebt werden.
Tanz/ T.A.- ist Zelebrieren des Aufrechten Ganges zu zweit, voller Respekt und Hingabe für den Partner, Loslassen der eigenen Person. Das wird versucht als funktionale und ideelle Voraussetzung zu vermitteln. Spannung und Emotionen wechseln und sind Gegenstand der Gestaltung, ausgelöst durch verschiedene Phasen der Bewegung, wie Aktion- Ruhe, Expressivität- Intro usw.
Der T.A. steht in Argentinien, der ja ein Vielvölkerstaat ist, für die Würde, die Sprache und die Sehnsucht einer Generation, die diesen Tanz für ihr sog. inneres Überleben entwickelt hat.
Begleitend gibt es eine Einführung in die allg. Tanzgeschichte des Menschen, Entwicklung des Paartanzes T.A., Lyrikbeispiele des T.A., seine Musik, Hintergrundwissen über Emigration seit 1890 in B.A. u.s.w.um ein Ganzheitliches Projekt zu entwickeln, das nicht nur für sich selbst steht.
Musikalische Interpretation und Improvisation sollen exemplarisch und gemeinsam stattfinden.
Unter dem Einfluss 100 jähriger Musik- und Tanzgeschichte entstand der T. A. in seiner heutigen freiheitlichen Ausprägung. Mit unzähligen Einflüssen aus der Kulturgeschichte. Seine Eigenschaft, alles zu integrieren und in seine Improvisation zu verschmelzen, soll hier im Projekt exemplarisch sein und in eine gemeinsame Performance einfließen. Die Balance zwischen Individuellem und Sozialverhalten wird dabei für jeden Einzelnen neu definiert. Grenzerfahrungen im Bewusstsein des aufrechten Ganges werden wahrgenommen die Simultanität von Denken und Handeln geschult.
Tanz fördert die Verbindung von Körper und Wissen, womit die Wurzel aller Bewegung eine Veredelung erfährt. (“Menschlichkeit” entspringt nach H. Hesse so einer Veredelung der rein animalischen Triebe)
Nonverbale und non-formale Bildung steht im Vordergrund- also Körpersprache einer ganz neuen Qualität. Selbstbewusstsein und Teamfähigkeit, Achtung und Toleranz, Auftreten und Außenwirkung, eigene Werte und Ziele, Selbstverantwortung und Eigeninitiative sind Voraussetzung für das Gelingen und Gestalten dieses Tanzes.
Ausgehend von Kommunikation in Balance erlernen Schüler Improvisation und Interaktion zusammen mit wechselnden Partnern. Gemeinsame Bewegung in Raum und Zeit/ Takt bilden die Parameter der Sozialität in der Ronda- eine fließende Bewegung der Paare einer ganzen Klasse zusammen in einem Raum. Weltkulturerbe gelebt …
Wir sehen diesen Tanz als das exemplarische ” Multikulti” Globalitätskulturprodukt, organisch gewachsen (schon 100 Jahre) Frei und rebellisch bis heute, jedem Zeitgeist widerstehend und ihn zugleich erfüllend. (Tai Ji, Kampfkunst, Ballett, Break, Hiphop usw.) und damit präventionsfördernd in punkto Gewalt, Missbrauch usw. Es sensibilisiert auf ureigene Körperbefindlichkeiten und lehrt den Spaß an einer kompetenten Verbindung mit dem Partner Mensch. Aus einer Umarmungskultur (Argentinien) kommend, steht dieser Paartanz für das “Sehen mit den Augen des Herzens”.
Alle mechanischen Funktionen des Körpers dienen dem Erreichen einer tänzerischen Qualität in Fortbewegung, Improvisation in Zeit und Raum. Die Schüler lernen Möglichkeiten eigener Interpretation der Musik. Coole, zeitgemäße Moves und klassische Figuren werden ausprobiert. Beides auch in Loops, die Spaß machen.
– intensive Berührung mit einer Kultur, die aus der Ferne zu uns zurückgekommen ist. Hier schließt sich ein Kreis , den unsere rebellischen UrUrgroßeltern als Emigranten in Übersee begannen und der nun unserer gerade In Irritation gefangenen alten Welt ungeahnte Möglichkeiten an Würde, Freiheit, Wesenhaftigkeit und Klarheit bietet.
Authentizität lernen!