PHILIPP HÄRTWIG

Ich sitze – also bin ich (2)

Die Nachrichten in der Tagespresse über den afrikanischen Kontinent sind oft negativ behaftet. Wir lesen über Kriege, Terroranschläge, Diktaturen, Krankheiten, Armut. Doch auf diesem Kontinent leben 1,3 Milliarden Menschen. Und trotz aller sozialen, ökologischen und ökonomischen Probleme haben sie alle ein ganz individuelles Leben, einen Alltag, Familie und Freunde, Dinge, die sie beschäftigen, größere und kleinere Probleme. Ich selbst habe längere Zeit in Ghana gelebt und fahre auch jetzt noch regelmäßig in dieses Land. Den Schülern kann ich authentisch über meine Erfahrungen berichten. Wir wollen uns exemplarisch mit den Geschichten einiger Kinder in Westafrika beschäftigen und uns auf dieser Grundlage empathisch und kritisch mit ihrem und unserem eigenen Leben, sowie unserem Platz in dieser Welt auseinandersetzen. Die Reflexionsgrundlage bildet ein Dokumentarfilm über Kinder, die aus ihrem Leben in Ghana erzählen.

Das Projekt wird von 8-10 Jugendlichen einer Förderschule für geistig beeinträchtigte Schüler in einer zusammenhängenden Woche gemeinsam mit mir als Künstler gestaltet. Alle erleben dabei einen Prozess des kollektiven Einfallsreichtums. Jeder darf und soll sich einbringen. Es geht darum, dass jeder seinen eigenen Platz findet. Faltbare Papphocker werden individuell so gestaltet, dass jeder gerne auf seinem „ Platz“ sitzt, ihn zu einem anderen Ort mitnimmt oder auch einfach dableibt. Die künstlerische Gestaltung dieser Hocker mit verschiedenen Mitteln richtet sich nach den individuellen Fähigkeiten der einzelnen Schüler. Sie können beklebt, bemalt, besprüht und bedruckt werden.

Zu Beginn sollen die Schüler ein gemeinsames Thema für die Gestaltung finden. Das können z.B. Tiere sein, die in Afrika leben oder Muster, die sie in traditioneller Kleidung finden. Auf diesen Hockern werden wir platznehmen, um zu trommeln. Den Rhythmus nehmen wir auf mit Djembes (westafrikanische Bechertrommel) und Kpanlogos (ghanaische Fasstrommel). In der Projektwoche werden die Schüler außerdem ein afrikanisches Gericht kochen, landestypische Lieder singen und gemeinsam spielen. Die Ergebnisse werden allen Schülern der Schule am letzten Tag präsentiert.