Anne Lengnink + Nicolas Ibaceta Zamora

Imagine a Kayak (1)

Bei dem „Imagine a Kayak“-Projekt handelt sich um eine Kollaboration zwischen Künstler*innen und Schüler*innen, welche die Beziehungen zwischen Menschen, Objekten und der natürlichen Umwelt theoretisch wie praktisch untersucht. Ziel ist die Wieder- bzw. Neuaneignung der sozialen Dimension von (Alltags-)Objekten.
Wir, Nico Ibaceta und Anne Lengnink, finden uns in unserer professionellen Praxis ständig in den Spannungsfeldern zwischen Kunst, Architektur, Design und Handwerk wieder und wollen unsere Begeisterung an diesem Universum aus Dingen, Räumen, Materialien und Techniken teilen. Wir schätzen das Handwerk ebenso wie neue digitale (Fabrikations-)Techniken und erkunden unvoreingenommen, spielerisch deren Kombinationsmöglichkeiten. In verschiedenen Workshops oder Interventionen untersuchen wir die verschiedenen sozialen Dimensionen von Objekten. Dabei ist es uns ein Anliegen, mit den Menschen vor Ort und lokalen Materialien zu arbeiten, die mit der Geschichte oder der Umgebung des Ortes in Verbindung stehen.

Gewahr der verschiedenen Ebenen von Alltagsgegenständen, analysieren wir das „Kajak“ – begreifen es als ein Gefäß, das unterschiedlichste Werte transportieren kann und mannigfaltige Erzählungen über uns als Menschen und unsere Beziehungen zur Natur beinhaltet.
Es gilt heraus zu finden, in welcher Beziehung jene Werte, die wir dem Objekt „Kajak“ zuordnen, mit denen der Ureinwohner Grönlands stehen. Von besonderem Interesse wird ebenfalls die Tatsache sein, dass dieses ursprünglich nomadische Transportmittel zur Zeit der Industrialisierung als Freizeitsportgerät erstmals auftaucht.
Wir werden zeitgenössische und traditionelle Kajakentwürfe, nicht nur nach Merkmalen wie Langlebigkeit und Kosten einander gegenüberstellen, sondern auch bspw. ihre Fähigkeit zur Koexistenz mit anderen Lebewesen beleuchten. Dabei stellt sich die Gruppe die fast philosophische Frage: Was genau transportieren wir mit einem Kajak, wie und warum? Der Ideen- und Frageaustausch soll am Ende dazu dienen, sich über die Form eines Kajaks bewusst zu werden, es gemeinsam zu entwickeln und zu bauen.

Wir planen mit der Gruppe von Schülern zwei Kajaks zu bauen. Für das Projekt haben wir bereits ein Kayak-Kit erstellt, mit dem es möglich ist, als Gruppe ein Boot zu bauen, ohne handwerkliche Vorkenntnisse und elektrische Werkzeuge, überall dort wo ausreichend Platz für ein Kajak ist. Nicolas Ibaceta ist Architekt sowie professioneller Bootsbauer (NOR/RCH) und bildet mit der von ihm vermittelten skin-on-frame-Technik die Basis für den praktischen Teil. Anne Lengnink (D), ist Fachfrau in der Neuinterpretation traditioneller Handwerkstechniken sowie deren Verknüpfung mit zeitgenössischen Formaten. Uns beiden ist es ein besonderes Anliegen, die Verwendung von nachwachsenden Rohstoffen unter Berücksichtigung ökologischer Aspekte und Produktionsweisen im Gestaltungskontext zu beleuchten. Auch hier wird auf das gleichberechtigte Nebeneinander bzw. die Verschränkung von digitalen und analogen Techniken, sowie althergebrachten und neuen Materialien bzw. Medien fokussiert.

Die Vermittlung zwischen eben dieser neuen Technologien und traditionell-handwerklichen Techniken erfolgt in diesem Projekt spielerisch und praktisch orientiert. Teilnehmende werden in alle Phasen direkt eingebunden, neugierig zusammen arbeiten und aktiv profitieren. Der Fokus liegt hierbei auf der sozialen Ebene – gemeinschaftliche Produktion und Wissenstransfer – ebenso wie auf der persönlichen – Selbstermächtigung/Aufgeklärtheit gegenüber neuen Technologien und Handwerkstechniken.
Der Umfang des Projekts beträgt 7 Gruppeneinheiten von 3-5 Stunden um das Kajak zu bauen. Zusätzlich benötigen wir einen Einführungs- bzw. Theorietag, sowie einen Tag um die gebauten Boote auszuprobieren.
Die Schüler*innen werden bei diesem Workshop viel über Konstruktion und Herstellung lernen, über analoge und digitale Handwerkstechniken, Holzbearbeitung aber auch über Auftrieb und Kräfte des Wassers.
Sie werden Holzrahmen aus Sperrholzrippen und Kiel zusammen setzen und mit massivem Holz Verbindungen zwischen den Elementen schaffen. Für den gefertigten Holzrahmen fertigen die Schüler*innen eine textile Haut, die permanent oder ablösbar sein kann. In diesem Teil werden sie Kenntnisse und Fähigkeiten in den Bereichen Stoffmuster/-zuschnitt und Konfektion erlangen. Besonderes betonenswert ist die Gemeinschaftserfahrung, welche dieses Projekt bereit hält. Die Notwendigkeit zur Kooperation wird in diesem Projekt offensichtlich.

Wir interessieren uns im Besonderen für eine Zusammenarbeit mit dem Gehard-Hauptmann-Gymnasium und dem Geschwister-Scholl-Gymnasium, da wir bei unserer Recherche heraus gefunden haben, dass diese Schulen eine Paddel-AG in Kooperation mit dem TSG Wismar e.V. anbieten. Die entwickelten Boote könnten die Flotte der jeweiligen Schule erweitern, das Projekt zukünftig von Teilnehmenden erneut durchgeführt werden. Des weiteren bietet die Hansestadt Wismar, die mit der Werftengeschichte und einer ehemaligen Serienproduktion von Faltkajaks nicht nur historische Anknüpfungspunkte.
Leider genügt der Materialkostenzuschuss von gegenwärtig 300 € nicht um das vorgetragene Projekt durchzuführen. Im Falle einer positiven Rückantwort durch die Künstler-für-Schüler-Projektkommission bemühen wir uns um zusätzliche Projektförderungen oder Spendenpartner um die Kosten des Projekts zu decken. Kontakte bestehen bereits zu verschiedenen lokalen Handwerksbetrieben und Händlern sowie der Hochschule Wismar, als möglichen Kooperationspartner, denkbar wären auch Kultur-Förderungen durch den Altstadtbeirat oder seitens der Kultur- und Bildungsabteilung der Hansestadt Wismar.